In “Nachgefragt: Prof. Dr. Jens Kurreck im Interview” präsentiert Jens Kurreck sein Forschungsgebiet, gibt Einblicke zu seiner persönlichen Motivation, kreativen Ressourcen und schließt ab mit Tipps für junge Kollegen.
Prof. Kurreck betont, dass eine Transformation der biomedizinischen Forschung notwendig sei, um eine höhere Übertragbarkeit der Grundlagenforschung auf die humane (Patho-)Physiologie zu erreichen. Derzeit scheiterten 90% aller Wirkstoffkandidaten, die in der präklinischen Forschung in Tiermodellen erfolgreich waren, in den Tests am Menschen. Er betont: "Mit den modernen human-basierten Zellkulturmodellen (Organoiden, Stammzellmodellen, 3D gedruckten Geweben, Multi-Organ Chips) haben wir nun die Möglichkeit, human-relevante Forschung zu machen. Und nebenbei tragen wir zu dem ethisch gebotenen Ziel bei, die Zahl der Tierversuche zu reduzieren. Es ist fantastisch, in dieser Transformationsphase dabei zu sein.“
Als Highlight der Forschungsergebnisse der letzten fünf Jahre nennt Prof. Kurreck die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten im Biodruck, die in seiner Forschungsgruppe zu zahlreichen Innovationen geführt habe:
- einem Lungenmodell aus vier Zelltypen in drei Schichten, die an einem Air-Liquid Interface (ALI) kultiviert werden, das Mukus produzieren kann und das mit Influenza- und Coronaviren infiziert werden konnte
- einem Krebsmodell mit einem menschlichen Tumorspheroid in einer Umgebung aus humanen Zellen, die von vaskulären, endothelialisierten Kanälen durchzogen ist, über eine Mikropumpe perfundiert wird und an dem Effizienz und Nebenwirkungen von Wirkstoffen getestet werden können
- einem Lebermodell aus vier Zelltypen, um die Hepatoxizität von Wirkstoffkandidaten zu testen, das mit einer Vorhersagekraft von 90 %, die von Tierversuchen übersteigt.
Die Besonderheit des Lebermodells sei, dass es “xenofrei” sei, also völlig ohne tierische Materialien wie fötales Kälberserum und Matrigel auskomme.
Im weiteren Verlauf des sehr lesenswerten Interviews geht es um Musik als persönliche kreative Ressource, Ideenfindung durch frei schweifende Gedanken und darum “für das eigene Forschungsprojekt zu brennen”. Seinen jungen Kollegen empfiehlt Jens Kurreck: "Ich empfehle, sich ehrlich zu fragen: Sehe ich die wissenschaftliche Arbeit als einen gewinnbringenden Teil meines Lebens an oder nur als ein belastendes Muss. Bei einer positiven Antwort sollte man sich unbedingt in das Abenteuer stürzen.“
Hier geht es zum gesamten Interview.
Den Artikel von Dongwei Wu und Jens Kurreck finden Sie in der BIOspektrum-Ausgabe 07/2025: „3D-Biodruck perfundierbarer Krebsmodelle“.
